Interview mit Dr. Christiane Roth (CR), Stiftungsratspräsidentin,
und Sonja Anderegg (SA), CEO der Stiftung Ilgenhalde.

Wenn ihr auf das Jahr 2025 zurückblickt, mit welchen drei Worten würdet ihr es beschreiben?

CR: Herausfordernd, dankbar, erfolgreich. Herausfordernd aufgrund der personellen Situation zu Beginn des Jahres, als wir vor die Aufgabe gestellt wurden, eine neue Gesamtleitung für die Stiftung zu finden. Dankbar, weil wir mit Sonja eine erfahrene Kapitänin gewinnen konnten. Erfolgreich, weil wir bereits nach wenigen Monaten die positiven Auswirkungen ihrer Arbeit sehen. Wir erleben, wie sich die neu zusammengesetzte Geschäftsleitung mit viel Wissen und Engagement für die Entwicklung der Stiftung einsetzt. Besonders in Erinnerung bleiben mir viele schöne Momente der Begegnung, wie etwa das Jubiläumsfest am Standort Ilgenpark. Ein inklusiver Anlass, sorgfältig und herzlich von den Mitarbeitenden vorbereitet. Begegnungen mit Klientinnen und Klienten, Angehörigen, Beiständen und Dorfbewohnenden standen im Mittelpunkt.

SA: Neustart, spannend, herausfordernd. Das Jahr 2025 war für mich geprägt von meinem Neubeginn als CEO. Die vielen neuen Eindrücke und Begegnungen machen es spannend. Gleichzeitig gibt es auch Herausforderungen. Besonders gefreut hat mich, dass ich von Anfang an willkommen geheissen wurde. Schon an meinem ersten Arbeitstag wurde ich an der Eingangstür mit einem Willkommensplakat empfangen. Eine grosse Offenheit kam mir an allen Standorten entgegen. Dieses Wohlwollen begleitet mich bis heute und gibt mir eine solide Basis.

Es sind bewegte Zeiten. Was ist aus eurer Sicht zentral, um in solchen Phasen Stabilität zu wahren und gleichzeitig Entwicklung zu ermöglichen?

CR: Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass der Stiftungsrat in alle zentralen Themen einbezogen wird. Zusammenstehen ist ein wichtiger Pfeiler. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. In den zehn Jahren, die ich als Stiftungsratspräsidentin aktiv bin, ist uns das stets gelungen. Wir haben es geschafft, alle Beteiligten so einzubeziehen, dass sie sich ein eigenes Bild machen können. Zentral ist dabei die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung für die Strategie und die Weiterentwicklung der Stiftung.

SA: Als CEO braucht es Präsenz und Offenheit sowie genaues Hinhören. Es ist wichtig, die Rahmenbedingungen zu kennen und sich fachlich auseinanderzusetzen, um Zusammenhänge zu verstehen. Letztlich ist auch Vertrauen entscheidend: Die Mitarbeitenden müssen sich darauf verlassen können, dass wir fundierte Entscheidungen treffen und alle Beteiligten mitnehmen.

In diesem Jahr hat die Stiftung erneut an der Mitarbeitendenbefragung des Kantons teilgenommen. Was nehmt ihr daraus mit?

CR: SA: Drei Themenfelder standen für unsere Mitarbeitenden besonders im Vordergrund: das betriebliche Gesundheitsmanagement, die IT-Infrastruktur und die interne Kommunikation. Jetzt liegt es an uns, die Ergebnisse detailliert zu prüfen. Es geht nicht ums «Müssen», sondern darum, wirklich zu verstehen, wo der Schuh drückt, und gemeinsam passende Massnahmen zu erarbeiten.

CR: Da kann ich nur zustimmen. Eine Befragung ohne anschliessende Massnahmen ist sinnlos, sie kann sogar schaden. Mitarbeitende nehmen sich Zeit, Rückmeldungen zu geben, und diese gilt es sorgfältig zu beleuchten.

SA: Genau deshalb haben wir die nächsten Schritte bereits eingeleitet. Zusammen mit den Kadermitarbeitenden bereiten wir zwei Gesundheitstage für alle Mitarbeitenden vor, um uns vertieft mit dem Thema betriebliche Gesundheit auseinanderzusetzen. Diese werden im April stattfinden. Bei den Themen IT-Infrastruktur und interne Kommunikation haben wir ebenfalls erste Massnahmen umgesetzt, etwa einen Ausbau der verfügbaren Hardware an den drei Standorten oder auch unsere interne Kommunikationsplattform Eliza, die seit dem vierten Quartal im Einsatz ist.

Die Nachfrage nach unseren Angeboten ist unverändert hoch, gleichzeitig sind die Ressourcen beschränkt. Wie geht ihr mit dieser Situation um?

CR: Als erstes kommt mir der Fachkräftemangel in den Sinn. Unsere Mitarbeitenden sind unsere wichtigste Ressource. Neben der Gewinnung neuen Personals ist es entscheidend, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeitende wohlfühlen.

SA: Das hängt auch stark vom Betriebsklima ab. Wichtig ist mir, dass unsere Mitarbeitenden
gesehen werden und wir ihre Leistung anerkennen. Und eine transparente Kommunikation auf Augenhöhe gehört dazu, in der auch schwierige Themen angesprochen werden können. Es gilt grundsätzlich immer wieder neu, Raum für unsere Kernaufgabe zu schaffen – die Klientinnen und Klienten optimal zu begleiten, sei es im direkten Kontakt oder durch gute Rahmenbedingungen.

CR: Dem stimme ich zu. Wir möchten unsere Haltung im Alltag leben und die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden weiterhin fördern.

SA: Der Fachkräftemangel betrifft die ganze Branche. Aktuell brauchen wir noch Temporärfirmen, um Lücken zu schließen. Langfristig wäre es wünschenswert, darauf verzichten zu können. Dafür braucht es grosse Anstrengungen und gezielte Aus- und Weiterbildung innerhalb der Stiftung. Und gleichzeitig halte ich es für wichtig, dass wir als Organisation unsere Stärken sichtbar machen: Unser Fachwissen ist auf sehr hohem Niveau, wir arbeiten interdisziplinär und nach aktuellen agogischen Konzepten.
Interne und externe Fachstellen unterstützen unsere Mitarbeitenden bei Bedarf. Zudem liegt
allen Teams die Haltung am Herzen, unsere Klientinnen und Klienten mit ihren individuellen
Möglichkeiten in den Mittelpunkt zu stellen. All dies sind Qualitäten, die uns auszeichnen und unsere Arbeit prägen.

Die Zusammenarbeit standortübergreifend ist 2025 intensiver geworden. Welche Bedeutung hat diese engere Vernetzung?

CR: Sie ist ein grosser Gewinn. Nehmen wir zum Beispiel die beiden Erwachsenenstandorte: Beide stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die engere Zusammenarbeit potenziert Wissen und Kompetenzen und ermöglicht fachliche Weiterentwicklung.

SA: Zwischen den Erwachsenenstandorten läuft die intensivierte Zusammenarbeit gut. Eine Vielfalt an Perspektiven trifft sich und arbeitet gemeinsam an Aufgaben. Das ist eine Bereicherung für Mitarbeitende und Klientinnen und Klienten. Wir werden daran arbeiten, dass auch zwischen Kinder- und Erwachsenenbereich mehr Durchlässigkeit entsteht. Kinder werden schliesslich erwachsen, und ein enger Austausch erleichtert den Übergang erheblich.

Wenn wir den Blick nach vorne richten: Was ist für euch das Motto für 2026?

CR: Bis Ende 2026 soll die kontinuierliche Weiterentwicklung und Festigung der Organisationsstruktur
vorangetrieben werden. Die Zusammenarbeit auf allen Ebenen soll als gut und vertrauensvoll empfunden werden. Das ist mein Wunsch. Dann haben wir viel erreicht.

SA: Dem kann ich mich anschliessen. Ich möchte im Jahr 2026 weiter hinschauen, wo wir gut unterwegs sind und wo wir noch vertiefen können. Ziel ist, dass alle Mitarbeitenden dort eingesetzt sind, wo sie ihren Beitrag mit Engagement und Zufriedenheit leisten können. Ich freue mich darauf, diesen nächsten Schritt gemeinsam zu gehen.

CR: Zum Abschluss möchte ich mich herzlich bedanken bei allen Mitarbeitenden für ihren unermüdlichen Einsatz zu Gunsten unserer Klientinnen und Klienten. Ganz besonders denjenigen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass unsere Infrastruktur funktioniert, dass zum Beispiel gesunde Verpflegung auf den Tisch kommt und das Essen schmeckt. Es ist der letzte Jahresbericht, den ich als Stiftungspräsidentin
verantworte. Im Rahmen einer rollenden Planung übergebe ich nach zehn Jahren das Amt an
Thomas Gächter. Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen im Stiftungsrat für die konstruktive
Zusammenarbeit und wünsche allen weiterhin ein frohes Wirken für die Stiftung.