Ein wichtiges Instrument in unserer Arbeit ist die sogenannte Unterstützte Kommunikation (UK). Aber was genau ist UK? Warum ist sie so wichtig für den Alltag unserer erwachsenen Klientinnen und Klienten? Und was möchten wir damit erreichen? In unserer ersten Ausgabe vom Ilgenblatt nehmen wir Sie mit in die Welt der Unterstützten Kommunikation.

Was ist UK?
Viele unserer Klientinnen und Klienten können nicht oder nur eingeschränkt sprechen. Wie alle Menschen haben sie Bedürfnisse und Gedanken, die sie mitteilen möchten. UK gibt ihnen die Möglichkeit, sich auszudrücken, auch wenn das Sprechen nicht möglich ist.

Kurz gesagt: Unterstützte Kommunikation ist eine Methode, bei der Menschen Hilfsmittel oder Zeichen nutzen, um sich mitzuteilen.

Warum ist UK so wichtig?
UK eröffnet unseren Klientinnen und Klienten einen Weg, sich mitzuteilen. Nur wenn Menschen sich verständigen können, wird echte Teilhabe am Leben möglich.

UK ist deshalb die Grundlage dafür, dass Menschen ohne oder mit eingeschränkter Sprache ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können. Darum haben wir bei uns in der Stiftung eine eigene Fachstelle für Unterstütze Kommunikation. Diese berät und begleitet die verschiedenen Teams zum Thema UK. Die Fachstelle ist an jedem Standort auch für Ihre Fragen da.

Welche Hilfsmittel oder Zeichen nutzt UK?
Es gibt viele Möglichkeiten. Das ist wichtig, weil wir so unterschiedliche Sinne ansprechen können:

  • Sehen: z. B. Symbole oder Gebärden
  • Riechen: z. B. Tagesdüfte
  • Fühlen: z. B. Armbänder, die wie ein Namenszeichen funktionieren
Jeder Wochentag hat seinen eigenen Duft.

Das passende Hilfsmittel ist für jede Person unterschiedlich. Unsere Aufgabe ist es, für jede Klientin und jeden Klienten ein individuelles Sortiment zusammenzustellen.

Wie funktioniert UK in der Praxis?
Der erste Schritt ist herauszufinden, welche Art der Kommunikation aktuell möglich ist. Das ist sehr unterschiedlich. Im Ilgenpark und im Ilgenmoos erstellen wir für jede Person eine sogenannte Kommunikationseinschätzung. In einem standardisierten Bogen halten wir fest, auf welcher Stufe der Kommunikation sich die Person befindet. Es gibt sechs Stufen:

  • Stufe 1: Personen haben keine Vorstellung davon, was sie ausdrücken möchten oder können. Reaktionen sind reflexartig, zum Beispiel durch Körperhaltungen oder veränderte Atmung.
  • Stufe 6: Personen können abstrakte Symbole wie Gebärden oder Zeichensysteme verstehen und anwenden.

Die Einschätzung ist ein Prozess. Dieser braucht Zeit. Wir beobachten an unseren Erwachsenenstandorten jede Person über etwa einen Monat in verschiedenen Situationen. Zum Beispiel folgende Situation: Eine Klientin wählt, ob sie Kaffee oder Tee möchte.

  • Auf Piktogramme zeigt die Person keine Reaktion.
  • Wir probieren es im nächsten Schritt mit echten Gegenständen z. B. eine Teetasse und eine Espressotasse zur Auswahl.
  • Reagiert sie auf die Gegenstände, wissen wir, dass dieser Weg der Kommunikation funktioniert.

Bei diesem Prozess arbeiten Tagesstruktur und Wohnbereich eng zusammen. Wir beobachten, besprechen, probieren aus, passen an. Am Ende dokumentieren wir die Ergebnisse, damit alle Mitarbeitenden informiert sind. Im Sommer 2026 möchten wir so weit sein, dass für alle Klientinnen und Klienten eine Einschätzung vorliegt.

Ein Klient zeigt auf die Kaffeemaschine in seinem UK-Buch – er möchte jetzt sein Kafi.

Gemeinsam lernen und Teilhabe ermöglichen
UK ist ein Angebot, das Teilhabe ermöglicht, kein Zwang. Wir lernen gemeinsam mit allen Beteiligten. Mit Freude gehen wir diesen Weg zusammen mit allen Standorten und den Angehörigen. Denn wir sind überzeugt: UK ist das Tor zur Teilhabe und ein Gewinn für uns alle.